Paris ist elektrisiert: Generation EQ, Ampera-E und VW I.D.

Mercedes eq Elektroauto

Die Pariser Stadtverwaltung will das rechte Seine-Ufer für den Autoverkehr zwischen Rathaus und Höhe Louvre-Museum dauerhaft sperren. Ein Umdenken in Sachen Individualverkehr hat begonnen. Genau in dieser Stadt zeigen die Autohersteller aktuell ihre Neuheiten. Auffallend ist ein Trend: Die Zukunft ist elektrisch – und leise.

Den Anfang macht Daimler. „Mit der E-Mobilität ist es also ein bisschen wie mit einer Party: Wer zu früh kommt, steht alleine auf der Tanzfläche. Wer zu spät kommt, hat vielleicht das Beste schon verpasst. Es geht ums richtige Timing„, so Dieter Zetsche. Er muss es wissen, der studierte Elektroingenieur musste über 40 Jahre warten, bis sich sein Studienfach im Job bezahlt macht, scherzt der Daimler-Boss.

Zwar liegt heute der Marktanteil von Elektroautos in Europa noch unter einem Prozent. Aber es gibt Prognosen, die davon ausgehen, dass in weniger als zehn Jahren jeder zweite Neuwagen einen Elektroantrieb hat. Während die Reichweiten steigen, könnten die Batteriekosten Mitte des nächsten Jahrzehnts nur noch ein Drittel der Kosten von 2012 betragen. Der gesamte Elektroantriebsstrang wird dann auf dem Kostenniveau eines Verbrenners liegen. Daimler investiert im sächsischen Kamenz in einer weitere, eigene Batteriefertigung. 2025 werden wir mehr als zehn vollelektrische Pkw-Modelle auf dem Markt haben.

Mercedes eq Elektroauto CASE

Mercedes zeigt die Generation EQ

In Paris zeigte eine Studie der Generation EQ. Unter diesem Namen sollen in spätestens drei Jahren Elektroautos zum Preis eines Mercedes GLC Geländewagens (ca. 45.000 €) auf die Straße rollen. Der Viersitzer soll bis zu 500 km mit einer Batterieladung schaffen. Aufgeladen wird der Wagen zuhause per Wallbox oder induktiv mit einem Ladegerät auf dem Garagenboden. Deutlich schneller geht es via Combined Charging System (CCS). Der europäische Ladestandard ermöglicht Schnellladen mit größerer Leistung als heute (Gleich- statt Wechselstrom). Aktuell sind bereits Ladeleistungen von 50 bis vereinzelt 150 kW möglich. Mittel- bis langfristig sind Ladeleistungen von bis zu 300 kW vorgesehen. Innerhalb von fünf Minuten könnte damit Strom für 100 emissionsfreie Kilometer nachgeladen werden.

Fast schon am Rande wurde noch einer neuer, elektrischer Smart mit bis zu 160 km Reichweite gezeigt. Die Zwei- und Viersitzer-Varianten kommen ab Dezember 2016 für einen Preis ab 21.940 Euro in den Handel. Daimler produziert die Batterien für den Smart selber und gibt acht Jahre oder 100.000 km Garantie darauf.

Neue Organisation: CASE

Für sämtliche Aktivitäten rund um Elektromobiliät gründet Daimler eine rechtlich selbstständige Einheit unter dem Namen CASE. Das Akronym steht für: Connected, Autonomous, Shared, Electric (CASE). Hier geht es um Projekte wie Community Based Parking, Sensor Fusion (Kombination aller Daten aus Sensoren), Car-Sharing mit Car2Go, Ride-Sharing (myTaxi und der britische Taxi-Dienst Hailo) als auch die Moovel-Platform.

Da ein Auto pro Tag durchschnittlich 23 Stunden steht, wird Mercedes seinen Kunden ein Peer-to-Peer Car-Sharing anbieten. Autofahrer können in Zeiten, in denen sie ihren Wagen nicht nutzen, das Fahrzeug anderen gegen Bezahlung freigeben. Das Testprojekt startet im November in Deutschland und funktioniert wie Car2Go, nur eben mit Privat-Pkws.

Opel Ampera-E

Opel präsentiert in Paris seinen elektrischen Ampera-E. Der Wagen ist nicht ganz neu, in den USA ist er beim Mutterkonzern General Motors als Chevrolet Bolt EV bekannt. Hierzulande gab es schon mal eine Limousine mit dem Namen Ampera von Opel. Somit dürften die Rüsselsheimer ihr Klientel ein wenig verwirren.

Der Ampera-E ist ein fünftüriger Kleinwagen, der allerdings mit einer Batterieladung bis zu 500 Kilometer schafft. In 7,3 Sekunden beschleunigt das Elektroauto auf 100 km/h. Die 60kWh-Batterie soll innerhalb von 30 Minuten an der Steckdose bis zu 150 km Reichweite nachladen. Der Hersteller gibt auf den Wagen eine Garantie für 160.000 km bzw. acht Jahre. Zu haben ist der Wagen mit OnStar und App-Verbindung in Deutschland ab Frühjahr 2017.

Elektroauto Opel Ampera-eVolkswagen zeigt I.D.

Wie bei Daimler hat auch bei Volkswagen die Elektrostudie zwei Buchstaben: I.D. Das kann man als Idee lesen. Der Elektromotor n der Heckachse liefert 125 kW / 170 PS und eine Reichweite bis zu 600 Kilometern. Preislich soll er auf dem Niveau eines vergleichbar stark motorisierten Golf liegen. „Im Jahr 2020 werden wir beginnen, eine ganze Familie elektrischer Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Alle werden auf einer neuen Fahrzeugarchitektur basieren, die speziell und ausschließlich für rein elektrische Fahrzeuge entwickelt wurde“, sagt Dr. Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Marke Volkswagen, in Paris.

Als erste Volkswagen Studie fährt der vollautomatisiert. Aktiviert wird der so genannte „I.D. Pilot“ durch Berühren des VW-Zeichens im Lenkrad. Das versinkt dann in der Instrumententafel und vermittelt so dem Fahrer ein völlig neues Raumgefühl. Auch einen Funkschlüssel gibt es nicht mehr. Das Smartphone dienst als „Digital Key“. Wer in naher Zukunft einen Volkswagen fährt, erhält seine eigene „Volkswagen ID“. Diese ID ist ein individuelles Profil, in dem persönliche Sitz- und Klimaeinstellungen, favorisierte Radiosender und Media-Playlists, Einstellungen des Soundsystems, Kontaktdaten von Freunden und Geschäftspartnern und die Konfiguration des Navigationssystems gespeichert sind. Abgerufen wird dieses Profil von der Volkswagen-eigenen Cloud.

Tesla enttäuscht

Der Elektroauto-Pionier zeigt in Paris lediglich seine längst bekannten Model S und X. Ein Model 3 haben die Amerikaner nicht mit nach Paris gebracht.

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