Testfahrt im Tesla Model 3

Tesla Model 3

In 3,51 Sekunden ist der Tesla Model 3 auf 100 km/h. Es ist ein trüber Tag in der Lüneburger Heide. Die Landstraße ist leer, aber leicht Feucht. Meine Performance-Variante hat Winterreifen aufgezogen und dennoch geht der Elektrowagen ab, wie es die Broschüre verspricht.

In diesem Wagen arbeitet vorn ein Drehstrom Asynchronmotor und hinten ein geschalteter Reluktanzmotor mit Permanentmagneten. Zusammen bringen sie 358 kW oder klassisch 487 PS auf die Straße. Die 639 Newtonmeter Drehmoment drücken den Fahrer sanft in den Sitz und fast lautlos schießt der Wagen nach vorn. Die Bäume fliegen links und rechts vorbei.

In Deutschland bis zu 250 km/h schnell

Bis zu 250 km/h soll das Auto schaffen. An diesem Wochenende schaffe ich es nachts auf bis zu 210 km/h, dann taucht vor mir schon wieder die nächste Baustelle auf. Aber selbst bei dem Tempo klappert nichts und der Wagen liegt ruhig auf der Straße. Natürlich schießt in dem Moment der Energieverbrauch in die Höhe. Bei sehr moderater Fahrweise soll man auf einen Verbrauch von 15 kWh pro 100 km kommen. Mein Durchschnittsanzeige der letzten 50 km zeigt 23,4 kWh an. Deutlich drunter komme ich an diesem Wochenende nicht mehr. Aber es ist Winter in Deutschland und ich mache noch etliche energiefressende Sprints.

Tesla Model 3 Touchscreen Verbrauch

Der Heck-Motor ist auf Effizienz ausgelegt. Geht es auf der Autobahn oder Landstraße stur geradeaus, arbeitet nur er. Der Frontmotor schaltet ab und dreht frei. Er ist wieder dabei, wenn es um Beschleunigung geht oder Straßenlagen, die einen Allradantrieb erfordern.

Preise ab 55.400 Euro

Eigentlich ist das Model 3 nach dem Model S und X das Einstiegsfahrzeug in die erschwingliche Mittelklasse. Eigentlich. Doch an meiner Performance-Variante hängt ein Preisschild in Höhe von 66.100 Euro. Es gibt noch eine Version mit so genannter Langstreckenbatterie ab 55.400 Euro. In beiden Varianten verfügt die Batterie über 75 Kilowattstunden (kWh) Netto-Kapazität. Für den Autopiloten kommen noch mal 5.200 Euro hinzu. Gleiches gilt für die weiße Innenausstattung (+1.050 Euro) oder einige Farben. Dabei hat Tesla die Auswahl schon stark reduziert, um die Produktion zu vereinfachen. Es stehen nur fünf Farben, zwei Innenausstattungen und zwei Felgen-Arten zur Auswahl. Dennoch sind die Anlaufkosten der Produktion so hoch, dass Tesla zunächst viele der teureren Model 3 verkaufen muss, um tatsächlich Geld zu verdienen. Das echte 35.000 Dollar / Euro Elektroauto wird vermutlich erst Realität, wenn die Tesla-Fertigung in Shanghai anläuft.

Ein Touchscreen für Alles

An das zentrale Bedienelement in Form eines Touchscreens in der Mitte des Armaturenbretts habe ich mich schnell gewöhnt. Beim Handschuhfach, hätte es auch ein Knopf getan, das über den Bildschirm öffnen zu müssen, ist etwas übertrieben. Knöpfe gibt es nur für den Warnblinker und die Notrufzentrale (oben im Dach, nicht auf Anhieb zu sehen). Da sind noch zwei Kugelknöpfe im Lenkrad. Damit verstellt man wahlweise die Außenspiegel, das Lenkrad, die Lautstärke und den Abstand zum Vorausfahrenden. Außerdem steuert man damit die klassischen Atari-Videospiele. Die funktionieren nur, wenn der Wagen steht, genau wie das romantische Kaminfeuer.

Kaminfeuer Tesla Model 3
Kaminfeuer im Tesla Model 3 (Foto: M. Pohlmann)

Mein Testwagen kommt mit einem Autopiloten. Die Sensoren erkennen perfekt, was um mich herum passiert. In der Stadt, auf der Autobahn und auf der Landstraße hält der Autopilot die Spur als auch den Abstand zum Vorausfahrenden. Ich muss allerdings die Hände am Lenkrad halten. Gehorche ich nicht, schaltet der Autopilot für diese Fahrt komplett ab. Die Strenge ist notwendig, denn wenn die Sensoren die Spur mal nicht mehr erkennen, bleibt keine Übergangszeit für den Fahrer. Er muss sofort Lenkrad und Pedale übernehmen und reagieren.

Sensoren Tesla Model 3

Bei voller Fahrt immer das richtige Feld mit dem Finger auf dem Touchscreen zu treffen, ist eine Übungssache. Einige Dinge kann man per Sprache erledigen: Eine Adresse für das Navi, einen Musikwunsch oder ein Telefonat starten. In meinem Test hat das System zwar alle Ansagen korrekt verstanden, aber keine einzige umgesetzt. Da ist wohl noch ein Update der Software notwendig.

Sprachsteuerung

Es wäre sinnvoll, wenn man weitere Befehle diktieren könnte. Beim Überholen eines Lkws ist meine Frontscheibe durch das Spritzwasser undurchsichtig. Im Menü das Wischtempo höher zu stellen, dauert einige Sekunden. Wertvolle Zeit, die für den Fahrer im Blindflug vergeht. Man sollte sagen können: „Wischer schneller“ oder „Frontscheibe freipusten“.

Der winterliche Regen hatte noch einen negativen Effekt: Es lief Wasser in den Kofferraum. Beim öffnen der Klappe laufen die Tropfen auf die Heckscheibe und von dort in Richtung Öffnung. Die Gummilippe, die das Wasser aufhalten sollte, ist zu klein ausgefallen. Das Wasser schwappt drüber. In meinem Fall läuft auch noch Wasser durch die Karosserie ins Innere. Ansonsten ist der Kofferraum aber groß genug und bietet unterhalb der Staufläche noch Raum für die Ladekabel.

Teslas Supercharger erhalten einen CCS-Stecker

Fazit

Insgesamt ist der Tesla Model 3 ein gelungenes Elektroauto. An der Verarbeitung habe ich ich ansonsten nichts auszusetzen. Tesla hat hier riesige Fortschritte gemacht. Das Menü auf dem Bildschirm ist intuitiv zu bedienen. Das Fahrgefühl und der Fahrkomfort sind bestens. Wobei mir die Federung in einigen Momenten etwas zu hart war. Die Umstellung auf den CCS-Stecker ist genial, denn nun können Fahrer ihre Ladestopps nach Nähe und Preis von Ladesäulen ausrichten. Wenn nun noch Varianten mit echten Mittelklasse-Preisen auf den Markt kommen, steht dem elektromobilen Massenmarkt nichts mehr im Weg.