Tesla: Streit um defekte Aufhängung am Model S

Tesla Supercharger in Fremont

Will Tesla Schäden an einer Aufhängung bei einem Model S unter der Decke halten? Hat die US-Verkehrssicherheitsbehörde (NHTSA) in den Fall offizielle Ermittlungen aufgenommen? In US-Medien schlägt der Vorfall hohe Wellen, so dass Tesla unter der Überschrift „Mit Vorbehalt“ erstaunlich detailliert auf den Vorfall im Firmen-Blog eingeht.

Seinen Anfang nahm die Geschichte mit einem Eintrag von Pete Cordaro im Juni 2014 im Tesla Motor Forum. Danach habe sich bei einer langsamen Fahrt (ca. 18 km/h) auf einer ungeteerten Seitenstraße, die bergab ging, das Kugelgelenk am der vorderen linken Aufhängung gelöst, so dass sich der Wagen nicht mehr steuern ließ. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Wagen 112.000 km auf dem Tacho und war rund ein Jahr alt.

Querlenker Aufhängung Model S Tesla
Aufnahme von P. Cordaro von seinem Kugelgelenk der Vorderradaufhängung

Aufhängung und Querlenker kaputt

Tesla Model S Vorderrad-AufhängungTesla benötigte zwei Abschleppwagen um den Wagen vom Örtchen Connellsville in Pennsylvanina ins nächste Service-Center zu bringen. „Der Besitzer wohnt am Ende einer langen, nicht befestigten Straße. Als der Wagen bei uns ankam, war er total mit Dreck verkrustet″, schreibt Tesla. Der Schaden am Kugelgelenk der Aufhängung fiel nicht unter die Garantie und sollte 3.100 Dollar kosten. Aus Kulanz bot Tesla dem Besitzer an, die Hälfte davon zu übernehmen. Gleichzeitig musste der Besitzer eine Kulanzvereinbarung unterschreiben, die ihn auch zum Stillschweigen über die Einigung verpflichtet. Tesla will sich mit diesem Formular vor späteren Klagen bzw. Ansprüchen bei ähnlich gelagerten Fällen schützen.

Tesla Kulanzvereinabrung

An diese Vereinbarung hielt sich Pete Cordaro nicht und meldete den Schaden an der Aufhängung der NHTSA. Blogger Ed Niedermeyer stellte auf seiner Seite Daily Kanban den Fall so dar, dass Tesla seinen Kunden eine Kontaktaufnahme mit dem NHTSA untersagen wollte und den Fall unter den Teppich kehren. Die Formulierung in dem Formblatt war missverständlich, so dass Tesla den Text inzwischen auf Druck der NHTSA eindeutiger gefasst hat. Es gibt kein „Sprechverbot“ gegenüber der Behörde. Autofahrer können Sicherheitsbedenken bei der Aufhängung oder anderer Bauteile jederzeit unter Safercar.gov melden.

Ed Niedermeyer
Ed Niedermeyer (c) Daily Kanban

Niedermeyer ist für Tesla ein „alter Bekannter“. Sie gehen im Blogbeitrag namentlich auf ihn ein, schreiben seinen Nachnamen allerdings mit „a“ statt „e“. Niedermeyer hatte im Mai 2008 eine Tesla-Todesuhr ins Netz gestellt, die die Tage bis zur Insolvenz zählt. Die ist nie eingetreten und müsste bei „2.944 Tagen“ stehe müsste, wenn der Blogger die Uhr 2010 nicht vom Netz genommen hätte. „We just checked our pulse and, much to his chagrin, appear to be alive″, merkt Tesla süffisant an.

Zum Hintergrund: 2008 war das Jahr der geplatzten Blase rund um faule Immobilienkredite. Es folgt eine globale Finanzkrise, in der auch GM und Chrysler in Schwierigkeiten gerieten. Tesla erhielt im Mai 2009 ein 50 Millionen Investment von Daimler, was den Hersteller vor der Insolvenz rettete.

Sicherheit an erster Stelle

Es gibt keinen anderen Autohersteller in der Welt, der sich mehr um die Sicherheit seiner Fahrzeuge kümmert als Tesla und wir können das belegen″, schreibt Tesla. So habe man die freiwilligen Rückrufe zum Gurtstraffer im Model S und der dritten Sitzreihe im Model X veranlasst, bevor ein Unfall mit diesen Bauteilen geschehen ist. Als weiteren Beleg der Sicherheit erwähnt Tesla einen Autounfall in Bayern. Im Mai 2016 nahm eine 18-jährige Abiturientin vier Freunde auf eine Spritztour im Model S ihres Vaters mit. In einer Kurve bei Irschenhausen verlor die Fahranfängerin bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über das Elektroauto. Das Fahrzeug flog 25 Meter weit und landete in einem Acker. Alle fünf Insassen konnten von allein das Model S verlassen und kamen mit nicht lebensbedrohlichen Verletzungen in ein Krankenhaus.

Finanzielles Interesse an negativen Schlagzeilen?

Tesla vermutet ein finanzielles Interesse an den negativen Schlagzeilen über die Aufhängung. In dem Beitrag weißt das Unternehmen darauf hin, dass seit einigen Monaten mehrere Milliarden Dollar in Tesla-Leerverkäufe fließen. Jemand spekuliert auf einen fallenden Aktienkurs. Hierbei verkaufen Spekulanten geliehene Aktien zum aktuellen Kurs. Ist Aktienkurs zum vereinbarten Rückgabezeitpunkt niedriger, realisieren sie einen Gewinn. Niedermeyer und Bertel Schmitt, sein Partner bei Daily Kanban, haben inzwischen eine eidesstaatliche Versicherung abgegeben, dass beide niemals Aktien oder Finanzderivate von Tesla besessen haben oder dies planen.

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde hat bislang keine offizielle Untersuchung gestartet, sondern erbat bei Tesla lediglich Unterlagen zu dem Vorfall mit der  Aufhängung. Zum angeblichen „Redeverbot“ mit der Behörde schreibt Tesla: „Es ist schon Ironie, dass der einzige Kunde, der meint das Formular untersagt ihm den Kontakt mit der NHTSA auch der einzige ist, der mit der NHTSA redet. Hätte das Kulanz-Formular dies wirklich unterbinden sollen, dann war es offensichtlich nicht sehr gut.“ Humor haben sie bei Tesla.

Nachtrag: Souverän geht anders

Tesla begibt sich als börsennotiertes Unternehmen mit seinem Blogeintrag sowie Elon Musks Tweets allerdings auf dünnes Eis. Im Blogbeitrag wird Niedermeyer bzw. seinen Geschäftspartnern ein finanzielles Interesse am sinkenden Börsenkurs von Tesla nahe gelegt: „We don’t know if Mr. Niedermeyer’s motivation is simply to set a world record for axe-grinding or whether he or his associates have something financial to gain by negatively affecting Tesla’s stock price, but it is important to highlight that there are several billion dollars in short sale bets against Tesla.

Ohne Beweise zu liefern, ist das von Seiten Teslas extrem gewagt. Gleichzeitig impliziert Elon Musk bei Twitter, dass Sicherheitsmängel an seinen Fahrzeugen mit gefälschten Meldungen bei der NHTSA zur Rufschädigung beitragen sollen. Einfach zu behaupten: Da will uns ein Unbekannter etwas Böses, wirkt nicht gerade souverän.

Wie soll das werden, wenn Tesla im Jahr 2018 eine halbe Million Fahrzeuge ausliefert? Will das Unternehmen dann immer noch auf jeden Unfall oder kritischen Blogbeitrag eingehen? Tesla hat inzwischen eine Größe erreicht, bei der das Unternehmen zwar auf Vorwürfe und Behauptungen eingehen muss, aber Dinge nicht mehr persönlich nehmen darf. Ganz abgesehen von dem handwerklichen Fehler, Niedermeyers Namen im Blogbeitrag falsch zu schreiben.

Mach den Thiel mit ihm

Währenddessen muss sich Edward Niedermeyer viel Spott und Kritik via Twitter gefallen lassen. In einem Forum schlägt ein Tesla-Fan vor: Elon Musk sollte es Thiel nachmachen und Niedermeyer in Grund und Boden klagen. Investor Peter Thiel, übrigens mit Musk seit PayPal-Tagen befreundet, hatte eine Klage von Wrestler Hulk Hogan gegen den Klatschverlag Gawker finanziell unterstützt. Sein Engagement kann man als Rache deuten, denn Gawker hatte Thiel einst als schwul geoutet. Hogan hat seine Klage gewonnen, der Verlag hat Insolvenz angemeldet.

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