Olli, der autonom fahrende Elektrobus

Elektrobus Olli Local Motors

„Olli, bring mich zum Hauptbahnhof.“ Bei dem Elektrobus von Local Motors wird keiner komisch gucken, wenn man sein Wunschziel laut ausspricht. Dabei gibt es gar keinen Fahrer, dem man seine Wunschhaltestelle mitteilen könnte. Die maximal zwölf Fahrgäste sprechen mit Watson. Das ist IBMs Computer für Artificial Intellience (AI), also eine selbstlernende, allwissende Maschine. Theoretisch kann Watson auch Frage zu den Sehenswürdigkeiten entlang des Weges per Sprachausgabe beantworten.

Hergestellt wird der Kasten auf Rädern von Local Motors in National Harbour bei Washington D.C. sowie demnächst auch in Berlin. Mit dem autonom fahrenden Elektrobus will Local Motors den öffentlichen Nahverkehr revolutionieren, so Gründer und CEO John B. Rogers bei der Vorstellung. Gedacht ist Olli für Flughäfen, Uni-Gelände, Innenstädte oder Messegelände. Überall, wo mehrere Menschen auf kurzen Strecken das gleiche Ziel teilen und der Einsatz großer Lininenbusse unrentabel ist. Zunächst wird Olli im National Harbor, Maryland, südlich der US-Hauptstadt eingesetzt. Hier wurde der Bus auch präsentiert und hier betreibt Local Motors eine seine Micro-Fertigungsstätten. Aber auch in Las Vegas, im Miami-Dade-Bezirk sowie in Berlin soll es im Laufe des Jahres erste Probeläufe mit dem autonomen Nahverkehrsbus geben.

Natürlich wurde für den Start bewusst die Nähe zum Regierungssitz Washington D.C. gewählt. Zum einen plagt die Hauptstädte dieser Welt ein Verkehrsproblem, zum anderen benötigt Local Motors das Ohr der Mächtigen für ihren neuartigen Ansatz. Als einen der ersten Auslands-Standorte hat sich Local Motors übrigens Berlin ausgesucht.

Der Elektrobus aus dem 3D-Drucker

Dabei macht Local Motors wirklich alles komplett anders als traditionelle Fahrzeughersteller:

  • Entworfen werden die Fahrzeuge von der Crowd. Über das Internet können Designer und Konstrukteure mitgestalten. So gewinnt die beste Idee und Entwicklungszeiten werden drastisch reduziert. Local Motors hat 50.000 aktive „Mitarbeiter“ in der Entwicklung.
  • Gefertigt wird teilweise im 3D-Druck. Das geht schnell und die Kosten sind übersichtlich (bzw. sinken mit der Zeit). Man kann einzelne Bauteile ausprobieren und schnell anpassen. Bei der Detroit Motor Show 2015 wurde innerhalb von 44 Stunden das Elektroauto Strati „gedruckt“, dass danach eigenständig aus der Halle fahren konnte.
  • Local Motors setzt beim Antrieb auf Elektromotor und Batterien.
  • Kleine Fertigungsstätten. Local Motors setzt auf Micro-Factorys. Olli entsteht im National Harbour sowie demnächst in Berlin. Local Motors lebt von der „Nachbarschaft“ und bringt Leben in die Nachbarschaft.
  • Kooperationen. Mit Siemens besteht eine Software-Partnerschaft. Entworfen werden die Fahrzeuge also mithilfe deutscher Programme aus München. Chiphersteller NXP liefert die BlueBox, eine zentrale Steuereinheit für Sensoren und Kameras. Damit lassen sich autonom fahrende Fahrzeuge weiterentwickeln. Mit dem Strati gab es bereits erste Fahrversuche mit einem autonom fahrenden Auto.

Vom Strandbuggy zum Nachbarschafts-Bus

Gegründet wurde das Unternehmen 2007 in Phoenix, Arizona. 2009 rollte der Rally Fighter aus der Local Motors Werkstatt. Die „Crowd“ gestaltete zunächst offene Fahrzeuge, die an Strandbuggys erinnerten. Inzwischen arbeiten 130 Mitarbeiter für den Fahrzeughersteller. Doch die Idee der Co-Creation wurde auch bei Olli genutzt. Das Design für den Elektrobus stammt von Edgar Sarmiento. Der Kolumbianische Designer gewann damit die Urban Mobility Challenge Berlin 2030. Er war bei der Präsentation in Washington anwesend und erhielt von John B. Rogers einen Scheck. Zudem verdient der Designer an jedem verkauften Olli mit.
Edgar Sarmiento im Elektrobus Olli von Local Motors
Designer Edgar Sarmiento bei der Präsentation in Washington.

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