BB-8 aus Star Wars im Praxistest

BB-8 aus Star Wars von Sphero

Wer sich den siebten Teil der Weltraumsaga Star Wars anschaut, spürt sofort den Disney-Einfluss auf Lucasfilm. Alles ist etwas gefälliger, niedlicher und auch lustiger. Letzteres fand ich übrigens sehr gut. Aber mit Disney bekommt man eben auch die Turbo-Super-Dooper-Vermarktungsmaschine. Als BB-8 das erste Mal ins Bild rollte, ging ein „Ahh“ durch die Kinoreihen. Drei Szenen weiter war mir klar, warum Disney den neuen Rollroboter eingeführt hat. Der ist ja sooooo niedlich, den will man haben und irgendwie müssen die vier Milliarden Dollar Kaufsumme für Lucasfilm ja wieder reinkommen …

Merchandising schlägt Kinokasse

Die Frage, ob zuerst die Filmfigur oder das Merchandising-Produkt da war, erübrigt sich in diesem Fall. Ein Blick auf die Zahlen liefert die Antwort: Schon zu Weihnachten 2015 hat das „Erwachen der Macht“ die Milliarden-Dollar-Marke an der Kinokasse übersprungen − Rekord für eine einzige Woche. Doch beim Merchandising lag der Umsatz 2015 (Filmstart: war der 17. Dezember 2015) nach Analystenschätzungen bereits bei drei Milliarden Dollar. Innerhalb dieses Jahres wird die Summe bei schätzungsweise fünf Milliarden Dollar liegen. Das Merchandising ist also das größere Geschäft. Während ein Kinoticket um die 12 Euro kostet, gibt es den fernsteuerbaren Rollroboter von Sphero ab 160 Euro (empfohlener Verkaufspreis).

BB-8 erfüllt nicht alle Erwartungen

BB-8 rollte nun für einige Wochen durch unser Raumschiff. Das Spielzeug ist schon faszinierend, doch nach dem Praxistest bleibt eher Ernüchterung als Begeisterung zurück. Das liegt allerdings weniger an dem Spielzeug, als am Marketing. Das schafft eine Erwartungshaltung, die die Rollkugel einfach nicht erfüllen kann.

  • „Auge“ und Projektor auf dem Kopf sind nur Attrappen, so wie der Rest der Kugel-Oberfläche nicht erhaben ist (3D), sondern aus aufgeklebter Deko-Folie besteht.
  • BB-8 hat keinerlei Sensoren, mit denen er im Patrouille-Modus Hindernisse erkennen und speichern kann. Die Anzeigen in diesem Modus innerhalb der App sind reine „Augenwischerei“.
  • Hologramm-Nachrichten sind ein Witz. BB-8 hat keinen Projektor. Man zeichnet mit der Smartphone-Kamera eine Videobotschaft auf. Dann hält man die Kamera des Smartphones oder Tablets auf BB-8 und per Augmented Reality wird die Videobotschaft im Bildschirm abgespielt.
  • Der Roboter ist klein, deutlich kleiner als es Bilder und Videos vermitteln, gerade mal 11,4 cm misst das Spielzeug.
  • Der magnetisch gehaltene Kopf fällt beim Zusammenstoß mit Hindernissen schnell ab. BB-8 hat Schwierigkeiten mit der Fortbewegung auf glatten Holzböden.
  • Man muss viel üben, bis man die Steuerung raus hat. Die App nutzt nicht den Gyrosensor des Smartphones, sondern man wischt mit dem Finger in Fahrtrichtung
  • Der Roboter hat keinen Lautsprecher. Der Biep-Biep-Sound kommt aus dem Smartphone. Wenn man also etwas von BB-8 entfernt steht, verpufft der Effekt. So bekommt die Person, zu der man gefahren ist, akustisch nichts vom Roboter mit.
  • Die Verbindung mit iPhone und iPad klappt sofort, mit einem Android-Gerät hakt es wenig.
  • Die Bluetooth-Reichweite wird mit bis zu 30 Metern angegeben. Im Test reißt die Funkverbindung jedoch schon früher ab. Sobald man auf dem iPhone zu einer anderen App wechselt oder in den Standby-Modus geht, muss man zum Weiterspielen die Verbindung zwischen BB-8 und dem Gerät neu herstellen.
  • Sprachsteuerung: es sind nur ausgewählte, englische Befehle möglich. Es erfordert einige Übung, bis BB-8 einen versteht.
  • Induktives Laden auf der Ladeschale ist klasse, doch verfügt das Spielzeug über eine fest verbaute Batterie, kein Austausch möglich. Geladen wird über ein Micro-USB-Kabel, das beiliegt. Ein Netzteil muss man woanders hernehmen.

BB-8 Verpackung

Armband zur Fernsteuerung

Hersteller Sphero kennt sich mit App-gesteuertem Roll-Spielzeug (Ollie) aus. Umso erstaunlicher ist es, dass man BB-8 nicht über die Bewegung des iPhones oder iPads steuert, sondern mit dem Finger wischen muss. Doch auf der Elektronikmesse CES 2016 wurde als Zubehör ein Armband zur Steuerung des Roboters gezeigt. Das Force Band ist inzwischen vorbestellbar (ca. 80 Dollar).

Ansonsten sind die Spielmöglichkeiten mit der Kugel recht begrenzt. Man verliert schnell den Spaß am Herumrollen − so war es jedenfalls in unserem Test. Einerseits ist die Technik  faszinierend, anderseits aber auch wieder so begrenzt, dass 160 Euro ein extrem hoher Preis für das Spielzeug sind. Aber inzwischen ist er Preis bei Amazon schon gesunken.

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Funktion
5
Leistung
7
Design
8
Preis
4
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Dirk Kunde
Der Captain bereist alle Technik-Galaxien, um spannende und interessante, nützliche und lustige Produkte auszuprobieren. Seine Steckenpferde: Smart Home & Elektromobilität. Der Captain liebt alles, was sein Leben im Raumschiff CG-101 unterwegs als auch daheim bequemer macht.

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