Automobile Zukunft: Norwegen schafft Benzin- und Diesel-Autos ab

Tesla Model S Querschnitt Autoindustrie

Norwegen verbietet ab 2025 den Verkauf von Diesel- und Benzin-Autos, so titelt die Zeitung Dagens Naeringsliv. Der Entscheidung applaudierte direkt Teslas CEO, Elon Musk, via Twitter. Doch in trockenen Tüchern ist die Entscheidung noch nicht. Laut Aftenposten sind die rechtskonservative Fortschrittspartei (FrP) und die konservative Høyre-Partei mit dem Schritt zum abgasfreien Autoverkehr noch nicht einverstanden. Dabei haben sich die vier großen Parteien in einem gemeinsamen Papier auf das Ziel „Zero Emission“ bei PKWs, kleinen Bussen und leichten Transportfahrzeugen geeinigt. Nur über den Weg zum Ziel gibt es noch Diskussionen.

Kein Widerstand aus Öl- oder Autoindustrie

Dabei ist Norwegen mit einem Anteil von 24 Prozent Elektroautos bereits führend in Europa. Ein Grund sind Subventionen: Keine Mehrwertsteuer (25 Prozent), keine Importsteuer oder Abgasabgaben bei Elektroautos. Frei Parken, keine Autobahngebühr, kostenloses Aufladen und die Nutzung der Busspur, sprechen für einen Wechsel. Ein weiterer Grund: Kein Widerstand von Seiten der Auto- und Ölindustrie. Eine nennenswerte Autoindustrie gibt es im Gegensatz zur Ölindustrie nicht. Norwegen ist weltweit der 13. größte Erdölförderer. Doch sämtliche Öl- und Gasvorräte werden nicht zur Stromerzeugung genutzt. Der größte Teil wird exportiert. Zu fast 99 Prozent wird Strom aus Wasserkraftwerken bezogen. Auch die Windenergie soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Eine Kilowattstunde Strom kostet in dem nordeuropäischen Land rund 0,16 Euro. Hierzulande sind es rund 0,33 Euro.

Auch in den Niederlanden wird ein derartiges Verkaufsverbot von PKWs mit Verbrennungsmotoren in der Politik diskutiert. Auffallend: Beides Länder ohne große Autohersteller. So liegt der Anteil an Elektroautos in den Niederlanden bei 9,6 Prozent. Deutlich mehr als in Deutschland (0,06 Prozent) oder anderen Ländern mit namhaften Autoherstellern: Frankreich (0,8 Prozent), Großbritannien (1,1 Prozent) und USA (0,66 Prozent).

Elektroautos zulassungen anteil europa

Deutsche Förderung verfehlt

Bis 2020 will die deutsche Bundesregierung eine Million Elektroautos auf der Straße haben. Das Ziel ist illusorisch. Heute, vier Jahre vor dem Ziel, sind laut Kraftfahrtbundesamt 25.502 Elektroautos angemeldet. Bei 45,1 Millionen PKW ist das ein Anteil von 0,06 Prozent. Da hilft auch die Elektro-Prämie nicht. Gehen wir davon aus, dass die Hälfte der 1,2 Milliarden Euro Fördersumme für Elektroautos ausgegeben wird. Dann können damit maximal 150.000 Autos zugelassen werden (4.000 Euro pro Auto). Außerdem geht die staatliche Prämie in die falsche Richtung. Gefördert werden beispielsweise auch Autos wie der BMW X5 xDrive 40e. Der Plug-in-Hybride liegt mit einem Nettolistenpreis von 57.478,99 Euro unter der 60.000 Euro Fördergrenze. Der Käufer erhält also 3.000 Euro Rabatt. Dabei schafft der SUV gerade mal 31 km elektrisch, danach springt ein 245 PS Verbrennungs-Motor an und schädigt mit seinen Abgasen Mensch und Natur. Der Hersteller von emissionsfreien Elektroautos, Tesla, ist übrigens von der Förderprämie ausgeschlossen. Die deutsche Autoindustrie hatte dafür gesorgt, dass der US-Hersteller nicht mal bei den Gesprächen mit der Politik am Tisch saß.

Schlüsselindustrie schläft

Die Autoindustrie in Deutschland ist mächtig und wichtig. Sie wird als Schlüsselindustrie bezeichnet. Jeder siebte Arbeitsplatz steht direkt oder indirekt mit dem Automobil in Verbindung. Mit 250 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet die Branche rund ein Fünftel des Gesamtumsatzes der deutschen Industrie. Man sollte meinen, wir wären bei automobilen Zukunftsthemen ganz vorn dabei. Doch bei den großen Themen vernetztes und autonomes Fahren sowie alternative Antriebe spielt die Musik längst anderswo. Google, Apple, Faraday Future, LeEco und Tesla entwickeln und testen in Nordamerika sowie China. Außer großen Ankündigungen ist von deutschen Herstellern wenig zu sehen. Lediglich BMW hat mit dem i3 auf ein eigenständiges Elektro-Konzept gesetzt.

Problemfall Diesel

Spätestens nach Volkswagens „Dieselgate“ mit entsprechenden Auswirkungen auf Opel und Daimler, sollte klar sein, dies ist eine Sackgasse. Ein US-Anwalt verklagt derzeit den Stuttgarter Konzern wegen Falschaussagen in der Werbung zur AdBlue-Technik seiner Dieselfahrzeuge. Dieselmotoren stoßen Kohlendioxid (CO2) als auch Stickoxid (NOx) aus. Beide Partikelarten gleichmäßig gut zu filtern geht nicht bzw. ist extrem teuer. Zudem schaltet sich die automatische Abgasreinigung bei hohen Geschwindigkeiten (ca. 140 km/h) als auch bei niedrigen Außentemperaturen ab − zugunsten der Motorleistung. Warum Dieselkraftstoff in Deutschland nach wie vor subventioniert wird (niedrigerer Steuersatz im Vergleich zum Benzin) bleibt unklar. Fossile Brennstoffe sind für die Autoentwicklung eine Sackgasse. Auf der anderen Seite, der Energieerzeugung, ist Deutschland ja schon einen beeindruckenden Weg gegangen. Bei der Stromerzeugung liegt der Anteil der regenerativen Quellen bereits bei 33 Prozent. Das müssen wir jetzt nur noch in die Autoindustrie hinbekommen − die kleinen Länder Norwegen und die Niederlande sollten unser Vorbild sein.
Verkauf von Elektroautos

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